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Entdeckendes Lernen — Ein etwas anderer Weg im Pädagogikunterricht

  • Erstellt von Frau Sommer

Für Potsdam einzigartig besteht seit nunmehr fast drei Jahren das Angebot des OSZ II Wirtschaft und Verwaltung innerhalb der beruflichen Fachrichtung Sozialwesen den Leistungskurs Pädagogik als Abiturfach zu belegen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit für interessierte Schülerinnen und Schüler, sich schon während der Abiturausbildung beruflich zu orientieren, Kenntnisse und Erfahrungen im pädagogischen Handeln zu sammeln und erziehungswissenschaftliche Erklärungsmodelle praxisnah zu überprüfen.

Ein Informationspraktikum am Ende der Klasse 11 und ein Hospitationspraktikum am Ende der Klasse 12 helfen den Schülerinnen und Schülern, Erlerntes anzuwenden, kritisch zu überdenken und zu evaluieren, Ein interessantes Projekt für den Pädagogik- Kurs der Klassenstufe 12 wurde durch die Eröffnung des Exploratoriums in Potsdam möglich.

Für den Leistungskurs geht es hier natürlich um mehr als nur um das Ausprobieren und Experimentieren zu naturwissenschaftlichen Themenwelten. Unter der Thematik: „Kinder denken anders“ hatten die Schülerinnen und Schüler die Forschungsergebnisse zum lebendigen Lernen des bekannten Psychologen Jean Piaget bearbeitet und somit Einsicht in die kognitive Entwicklung und das menschliche Lernen erhalten. Nach Piaget passt sich das Kind in seinem Denken an die Erfordernisse und Herausforderungen der Umwelt an und bildet dadurch Denkstrukturen, die sich zu Denkschemata verbinden und somit die Voraussetzung für das problemlösende Denken darstellen. Hauptaufgabe der geistigen Erziehung ist es, das Denkvermögen auszubilden und nicht, das Gedächtnis mit bloßen Inhalten auszustatten.

In wieweit die Exponate des Exploratoriums geeignet sind, die Prozesse der Assimilation (des in sich Aufnehmens) und der Akkommodation (des sich an das Erlebte im Denken Anpassens) bei Kindern unterschiedlicher Altersstufen auszulösen, sollten die Schülerinnen und Schüler exemplarisch untersuchen. Unter anderem bestand ihre Aufgabe auch darin, herauszuarbeiten, worin der „kognitive Konflikt“ besteht, und wie er durch das Kind gelöst werden kann. Piaget argumentierte seinerzeit mit der Hypothese, dass, wenn das Entdecken beim Lernen betont wird, sich das auf den Lernenden gerade so auswirkt, dass aus ihm ein Konstrukteur wird. Was er antrifft, wird nicht nur so organisiert, dass er Ordnungen und Beziehungen entdeckt, es wird auch ein solcher Informationsfluss vermieden, der an den möglichen Verwendungszwecken vorbeigeht.

Ob das Experimentieren und die Entdeckung notwendige Bedingungen sind, um die Vielfalt der Problemlösetechniken zu erlernen, Informationen verwendungsfähiger zu machen und die eigentliche Aufgabe des Lernens besser zu bewältigen, das alles sind Fragen, mit denen der Pädagogikunterricht im Anschluss an dieses Projekt anknüpfen wird. Schließlich können die Erfindungen von Jahrtausenden nicht von jeder Generation aufs Neue entdeckt werden, und so hat der vom Lehrer planvoll strukturierte Unterricht mit dem obersten Ziel des Vermittelns von Kenntnissen auch einen entscheidenden Einfluss darauf, sich ‚ die Welt und das menschliche Dasein besser verstehen zu können. Ist das eigentliche Kriterium von Intelligenz die Fähigkeit, Kenntnisse zu erwerben, oder die Fähigkeit, Probleme lösen zu können? Auch wenn es nicht immer möglich ist, eine für alle zufriedenstellende Antwort zu finden, trägt der Pädagogikunterricht dazu bei, die Mündigkeit der Jugendlichen zu fördern, das oberste Ziel der Erziehung.

Das Bedürfnis nach Beweis und Prüfung, Objektivität der Beobachtung und Kohärenz der Behauptung und Argumente, kurz die experimentelle Disziplin. ist eine Fähigkeit, die der Mensch nicht von vornherein besitzt. Er muss auf sie hin gelenkt werden und durch freiwilliges Bemühen möglichst im gemeinschaftlichen Schaffen zu Erkenntnissen gelangen.

Das Kind ist kein passives Wesen, dessen Hirn es voll zustopfen gilt, sondern ein aktives Wesen, das in seiner spontanen Suche nach Wissen gefördert werden will. Diese Wirkung hat das Exploratorium nicht nur auf die Kinder, auch die Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 lieferten den Beweis: Sie spielten mit ihrer Denkfähigkeit!

Leiterin des Leistungskurses Pädagogik
Frau Sommer.