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Schulchronik des OSZ 2 Potsdam

Im Mai 1945 begann die „Städtische Kaufmännische Berufsschule“ in Potsdam-Babelsberg mit dem Unterricht. Das Haus am Weberplatz beherbergte zwei Abteilungen, die der kaufmännischen Berufe und Anlernlinge sowie die der hauswirtschaftlichen Berufe.

Das Protokoll der Lehrerkonferenz vom 09.Juli 1945 verzeichnete 6 hauptamtliche Lehrkräfte. Erster Schulleiter war der 67 Jahre alte Diplomhandelslehrer Krüger.

50er Jahre

In den 50er Jahren wuchs die Zahl der Schüler sowie der Ausbildungsberufe stetig. So wurden im Schuljahr 1956/57 610 Schüler, verteilt auf 23 Klassen, in den Berufen Industrie-, Bankkaufkaufmann, Stenotypistin, Apothekenhelferin und Drogistin beschult. Seit 1954 leitete Samuel Britschin die Kaufmännische Berufsschule. Er sollte dies für die nächsten 30 Jahre tun.

60er Jahre 

Als in den Jahren 1960/61 die Zahl der Lehrlinge stark zurückging, beschloss der Rat der Stadt Potsdam die Aufnahme der Erwachsenenbildung für die Berufe Industriekaufmann, Stenotypistin und Sekretärin. In den folgenden sechs Jahren legten über 350 Erwachsene, überwiegend Frauen, die Facharbeiterprüfung ab. Nachdem die Zahl der Lehrlinge 1967 wieder gestiegen war, wurde diese Form der Erwachsenenqualifizierung stark eingeschränkt.

Die Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung und Informationstechnik brachte einen neuen Ausbildungsberuf hervor, den Facharbeiter für Datenverarbeitung. Mit dem Schuljahr 1966/67 wurde die Ausbildung an der Kaufmännischen Berufsschule aufgenommen. Bedingt durch die technische Entwicklung nahm sie einen raschen Aufstieg, so dass eine Reihe von Lehrkräften weitergebildet oder neu eingestellt werden musste. Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung war Hans Friedrich, ab 1977 stellvertretender Direktor der Berufsschule.

70er Jahre

Zu Beginn des Schuljahres 1970/71 war die Zahl der Auszubildenden auf 800 angewachsen. Sie wurden in 31 Klassen von 29 Lehrkräften unterrichtet. Darunter waren 3 Klassen Berufsausbildung mit Abitur, Fachrichtung „Facharbeiter für Datenverarbeitung“. Die Abiturfächer wurden vorerst von Lehrkräften der Erweiterten Oberschule (EOS) unterrichtet. 

Die 70er Jahre brachten eine Reihe von Verbesserungen hinsichtlich der materiellen Ausstattung sowie der Arbeitsbedingungen und Vergütungen der Lehrkräfte mit sich. Allerdings reichten die vorhandenen 13 Unterrichtsräume nicht aus, so dass Lehrlinge auch in den Räumen der Gewerblichen Berufschule unterrichtet werden mussten. Die Berufsgruppe „Facharbeiter für Schreib-technik“ wurde mit Lehrkräften und Unterrichtstechnik komplett an die Gewerb-liche Berufsschule abgegeben.

Mit Schuljahresbeginn 1974/75 erhielt die Kaufmännische Berufsschule die Bezeich-nung „Kommunale Berufsschule 2“, während die Gewerbliche Berufsschule in KBS 1 umbenannt wurde.

1977 wurde die Entscheidung über den Neubau der Schule durch die Bezirksplankommission getroffen. Zum Standort wurde die Fritz-Perlitz-Str., heute Zum Jagenstein, im Wohngebiet Waldstadt 2 bestimmt. Das Gebäude wurde als Doppelschule Typ Erfurt in Plattenbauweise errichtet. 1979 wurde es feierlich seiner Bestimmung übergeben.

80er Jahre

In insgesamt 25 Klassen wurden 630 Auszubildende in den Berufen Wirtschaftskaufmann, Facharbeiter für EDV, Datenbereitstellung, Krankenpflege und Technische Assistenten für Meteorologie von 30 Lehrkräften unterrichtet. 1980 kamen 9 Klassen Fotografen, Archivassistenten sowie Facharbeiter für Lagerwirtschaft hinzu.

1983 erhielt die Schule den Namen des antifaschistischen Widerstandskämpfers Fritz Perlitz.

Die Schule wuchs auf 800 Schüler mit 39 Lehrkräften. 1984 wurde Herr Britschin als dienstältester Schulleiter im Bereich der beruflichen Schulen Potsdams in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wurde Günter Gustävel, der der Schule bis 1990 vorstand.

Neben dem Unterricht bestimmten vielfältige sportliche, gesellschaftliche und kulturelle Aktivitäten das Schulleben.

Der weite Einzugsbereich und die damit verbundene hohe Zahl an Fahrschülern machte den Bau eines Lehrlingswohnheims erforderlich, das in den Jahren 1986/87 am Schlaatz errichtet wurde.

90er Jahre

Der Fall der Mauer und die Wiedererlangung der deutschen Einheit war mit grundlegenden Folgen und weitreichenden Konsequenzen für das berufsbildende Schulwesen in Brandenburg verbunden, so auch für unsere Schule. Neue Bildungsgänge, Ausbildungsordnungen und Lehrpläne sowie schulrechtliche Bestimmungen machten eine umfassende Qualifizierung des Kollegiums notwendig. Die ersten Jahre waren zudem geprägt durch die Unsicherheit, welche Berufe an welchen Oberstufenzentren unterrichtet werden sollten. Die Konsolidierung fand erst im Jahr 2000 mit der Errichtung der gymnasialen Oberstufe ihren Abschluss.

1990 wurde aus der KBS Fritz Perlitz das Oberstufenzentrum II Wirtschaft und Verwaltung Potsdam. Dr. Ulrich Wilde leitete die Schule bis 1992, von 1993 bis 2002 Frau Barbara Leinemann.

Die Zuführung der Fachschule für Archiv- und der Fachschule für Finanzwesen ging einher mit der Zunahme der Bildungsgänge insgesamt, so dass Schüler und Lehrkräfte auf vier Standorte verteilt werden mussten. Dies erschwerte die unterrichtlichen und organisatorischen Bedingungen außerordentlich, zumal sich einige Standorte in einem überaus schlechten baulichen Zustand befanden.

Mit der berufsfeldreinen Ausrichtung des Oberstufenzentrums auf die kaufmännischen, die Rechts- und Verwaltungsberufe sowie die Konzentration auf die beiden Standorte Zum Jagenstein und Schilfhof trat eine gewisse Beruhigung ein.

Oktober 2006 - Februar 2009

Nach mehr als 30-jähiriger intensiver Nutzung und der Angliederung des Gebäudeteils der ehemaligen Schule 47 (zuletzt Persius-Gesamtschule) ohne grundlegende Renovierungsmaßnahmen war eine Überholung des Schulgebäudes dringend erforderlich.

Eine Gesamtinvestitionssumme von 11 Millionen EURO, bestehend aus Eigenmitteln der Stadt und Fördermitteln des MBJS des Landes Brandenburg (aus EU-Fördermitteln), ermöglichte die tiefgreifende Sanierung der baulichen Hülle, An- und Umbaumaßnahmen zur brandschutz- und behindertengerechten Ausstattung des Gebäudes und der Turnhalle sowie die Anschaffung einer komplett neuen Ausstattung, die den Anforderungen modernen Lehrens und Lernens gerecht wird. Ein schulweites System von Informationsverarbeitungstechnik, an das jeder Standardklassenraum, die Fachräume für Informationsverarbeitung sowie die branchenspezifischen Fachräume angeschlossen sind, ermöglichen den durchgängigen Einsatz moderner IT-Technik in jeder Unterrichtstunde. Entsprechende branchenspezifische Software für die einzelnen Ausbildungsberufe sowie die pädagogische Oberfläche INIS gestatten eine optimale Unterrichtsgestaltung und ein großes Maß an selbstständiger Arbeit der Auszubildenden.

Das Schulverwaltungssystem erhielt ebenfalls ein neues, rationelleres IV-System, so dass Schulleitung, Sekretärinnen und Lehrkräfte die verwaltenden Aufgaben effizienter und zeitsparender ausführen können.

Die Neugestaltung der Außenfassaden des Schulgebäudes und der Turnhalle und die Gestaltung der Außenanlagen tragen neben der funktionellen Bedeutung auch optisch zu einer deutlichen Verbesserung des Erscheinungsbildes des Schulstandortes bei.

Der geplante Neubau eines Mehrzweckgebäudes mit Aula und Pausenversorgung für die Schüler/innen, Azubis, Lehrkräfte und technischen Kräfte konnte leider aufgrund fehlender Eigenmittel der Stadt Potsdam nicht realisiert werden.

Am 20.02.2009 begingen wir den erfreulichen Anlass der Wiedereinweihung nach der Sanierung mit  einer großen, öffentlichkeitswirksamen Feier in der zur Festhalle umgestalteten Turnhalle.

Neue Schulentwicklungsplanung der Stadt Potsdam im Jahr 2009

Die demografische Entwicklung im Land Brandenburg (erheblicher Rückgang der Schülerzahlen) erforderte eine Aktualisierung der Schulentwicklungsplanung der Stadt Potsdam. Bei den drei Oberstufenzentren der Stadt war es durch unterschiedliche Entwicklung der Zahl der Auszubildenden im Bereich der technischen und kaufmännisch-verwaltenden Berufe zu einer ungleichmäßigen Auslastung der Gebäude des OSZ I Technik und des OSZ II Wirtschaft und Verwaltung gekommen. Während es am OSZ I freie Raumkapazitäten gab, musste das OSZ II auch nach der Sanierung weiterhin einen zweiten Standort für die Abteilung 2 am Schilfhof nutzen. In der diesbezüglichen Diskussion innerhalb der Stadt konnten wir uns mit dem Wunsch einer eigenständigen Filiale in einem angemessenen Gebäude (z. B. im OSZ I) nicht durchsetzen. So kam es am 03.06.2009 zum Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, das OSZ II Potsdam durch Abgabe von Berufen an das OSZ I ab dem Schuljahr 2013/14 am Hauptstandort Jagenstein zu konzentrieren.

 Konstruktive Beratungen mit dem Schulträger und dem OSZ I Potsdam führten dann dazu, dass bereits zum Schuljahr 2010/11 der komplette Bildungsgang Handel (Einzelhandelskaufleute und Verkäufer, 1. - 3. Ausbildungsjahr einschließlich der zugehörigen Fachlehrer/innen) zum OSZ I wechseln sollte und gleichzeitig die Abteilung 2 vom Schilfhof zum Jagenstein umziehen würde. Dies ist nach umfangreichen Vorbereitungen nun mit Beginn des Schuljahres 2010/11 auch vollzogen worden. 

Somit verfügt das OSZ II Wirtschaft und Verwaltung Potsdam ab dem Schuljahr 2010/11 nur noch über den Standort Jagenstein, an dem ca. 2100 Schüler und Azubis in 17 Ausbildungsberufen, in der Fachoberschule und der Berufsfachschule (Sportassistenten) von 64 Lehrkräften beschult werden. Damit haben sich auch für die Schüler/innen, Azubis und Lehrkräfte der Abteilung 2 die Lern- und Arbeitsbedingungen gegenüber der Situation am Schilfhof erheblich verbessert. 

2010 – 2014 Auf dem Weg zur Europaschule

Bereits seit Bestehen der Schule und verstärkt ab den 1990-er Jahren gab es stets Angebote internationaler Aktivitäten für unsere Azubis und Schüler/innen. Jedoch bestanden die Aktivitäten oft nebeneinander und wurden im Kollegium nur gelegentlich kommuniziert. So reifte bei einigen Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2010 die Idee, alle Aktivitäten unter dem Motto „Europa“ zu vereinigen und den Titel „Europaschule“ anzustreben. Dies fand positive Resonanz im Kollegium.

Alle bereits bestehenden internationalen Aktivitäten wurden erfasst, Ideen für weitere Angebote wie z. B. der Erwerb einer Zusatzqualifikation „Kaufmann/-frau für Internationale Geschäftstätigkeit“ und „Europäischer Computerführerschein (ECDL)“ wurden geprüft und konzipiert. Im 2013 komplett überarbeiteten Schulprogramm wurde der Europagedanke durchgehend verankert. Unser neues Leitbild steht seitdem unter dem Motto „Einheit in Vielfalt“.

Zum ersten Mal wurde im Mai 2011 der Europatag im Mai schulweit mit Schüleraktivitäten begangen. Die Klassen stellten ihre Erwartungen an eine Europaschule auf Postern dar, deren Kreativität und Aussagekraft von einer Jury, bestehend aus Lehrkräften, Schüler/innen und einer Vertreterin des MBJS bewertet wurden. Seitdem organisiert eine Lehrer-AG jährlich den Europatag als arbeits- und erlebnisreiches Schulfest.

Unser Antrag auf den Titel Ende 2013 war so aussagekräftig und umfassend, dass er ohne weitere Nachträge akzeptiert wurde. Am 5. Mai 2014 wurde uns der Titel „Europaschule“ durch die damalige Bildungsministerin des Landes Brandenburg, Frau Dr. Münch, verliehen.

Für eine entsprechende Außenwirkung wurden alle PR-Mittel wie Logo, Homepage, Schulbroschüre, Briefköpfe und Imagefilm dem neuen Titel angepasst und das Thema „Europa“ auch im Schulhaus sichtbar gemacht. Die Titelverleihung war uns Ansporn, uns des Titels würdig zu erweisen, und so können wir seitdem deutlich mehr entsprechende Angebote als vor der Titelverleihung vorweisen (s. Homepage „Wir in Europa“ bzw. „Newsarchiv“)

2015 - 16 Unterrichtsentwicklung und Medienkonzept

Nach zwei externen Evaluationen durch die Schulvisitation in den Jahren 2010 (Ergebnis 2,7 von 4 möglichen Punkten) und 2014 (3,0 von 4 möglichen Punkten) hatten wir genug Material, um daraus Arbeitsaufgaben für die Schul- und Unterrichtsentwicklung abzuleiten. Die Bewertung der Visitation 2014 stellte eine deutliche Verbesserung dar und siedelte uns im oberen Bewertungsbereich im Durchschnitt aller OSZ des Landes Brandenburg an.

Im Bereich der Unterrichtsbewertung wurden aber auch in der zweiten Visitation die Bereiche Binnendifferenzierung, Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen und individuelle Rückmeldungen an die Lernenden nicht so gut bewertet. Das Kollegium befasste sich intensiv in zahlreichen Schulinternen Fortbildungen (SCHILF) mit verschiedenen Methoden der Binnendifferenzierung, mit Modellvorhaben zum selbstorganisierten eigenverantwortlichen und kompetenzbasierten Lernen (z. B. SELKO; Hamburg) sowie mit der multimedialen Unterstützung binnendifferenzierter Unterrichtsformen. Im Zuge dieser pädagogischen Diskussion entwickelte sich die Verwendung von Blended Learning (moodle-basierte Lernplattform) an unserer Schule zur beliebtesten und am weitesten verbreiteten Methode zur Unterstützung der Binnendifferenzierung. In zahlreichen E-learning-Projekten entwickelten zunächst einige Vorkämpfer moodle-basierte Unterrichtskurse für verschiedene Themen und Ausbildungsberufe. Zahlreiche SCHILF und der von Lehrkräften ins Leben gerufene E-Learning-Stammtisch qualifizierten immer mehr Lehrkräfte zur Erstellung und Nutzung derartiger Angebote für die Schüler/innen. Heute – 2016 – gibt es in unserem Lernportal zahlreiche Kurse in 16 verschiedenen Ausbildungsberufen und Zusatzangeboten.

Auf Initiative zahlreicher Lehrkräfte wurden alle Entwicklungen im Zusammenhang mit Mediennutzung durch Schüler/innen und Lehrkräfte in einem Medienkonzept gebündelt und Entwicklungsziele benannt. Bis zu 25 % der Lehrkräfte waren an dessen Erarbeitung beteiligt, so dass es in der Eröffnungskonferenz des Schuljahres 2016/17 mit großer Mehrheit angenommen wurde. Im Schuljahresarbeitsplan 2016/17 sind erste Arbeitsvorhaben zur Umsetzung des Medienkonzepts enthalten.